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Aktuelles

Osteoporose:

Starke Knochen

11.06.2007

Die Krankheit trifft Millionen – und ist doch fast immer vermeidbar. Wie Sie Risiken erkennen und gezielt vorbeugen

Die Nachricht klingt gut. „Osteoporose dürfte es eigentlich gar nicht mehr geben“, erklärt Prof. Reiner Bartl. Patienten können wirksam vorbeugen, Ärzte verfügen über neue Medikamente zum Knochenschutz, und Früherkennungschecks sind treffsicherer geworden, weiß der Leiter des Bayerischen Osteoporose-Zentrums am Münchner Uniklinikum Großhadern: „Theoretisch ist krankhafter Knochenschwund daher überflüssig wie ein Kropf.“

Doch in der Praxis grassiert das Leiden wie kaum ein zweites. Eine Hochrechnung aus dem vergangenen Herbst kommt auf knapp acht Millionen Osteoporosekranke in Deutschland. „Nur gut jeder Fünfte davon wird angemessen behandelt“, kritisiert Prof. Ludger Pientka vom Marienhospital Herne, der an der Statistik mitgearbeitet hat. Was hinter solcher Nachlässigkeit steckt, erlebt der Mediziner täglich in seiner Klinik: „Es will nicht so recht in die Köpfe, dass wir es mit einer Krankheit zu tun haben. Viele nehmen Osteoporose als Übel des Alters hin.“

So geht die Behandlungsquote mit dem Alter noch zurück: Rund 30 Prozent der 50- bis 64-jährigen Patientinnen bekommen Mittel gegen Osteoporose verschrieben, bei den über 74- Jährigen sind es nur 19 Prozent.„Doch gerade Ältere sind von den Folgen des Knochenschwunds bedroht“, so Pientka, „etwa vom Hüftbruch.“ Jedes Jahr kommen rund 330 000 Osteoporose-Patienten ins Krankenhaus, weil einer ihrer porösen Knochen gebrochen ist. Neben der Hüfte sind insbesondere die Wirbel und die Handgelenkknochen betroffen, manchmal auch Ferse oder Rippen.

Oft führt schon ein banaler Anlass zur Läsion, beispielsweise ein leichter Stoß. Pientka: „Die meisten Patienten hören erst jetzt, wo der Schaden da ist, von der Diagnose Osteoporose.“ Tatsächlich bahnt sich das Leiden Jahrzehnte früher an. „Der Knochen ist ein sehr lebendiges Gewebe“, erläutert Bartl, „er baut sich ständig ab und wieder auf.“ Im Laufe des Lebens wird das Skelett rechnerisch vier Mal rundum erneuert. Doch spätestens ab 30 gewinnen die Zellen, die den Knochenabbau steuern, gegenüber den Aufbauhelfern die Oberhand. Jeder Mensch büßt daher mit den Jahren Knochenmasse ein.

Zunächst trifft es überwiegend Frauen nach den Wechseljahren, weil die Geschlechtshormone starken Einfluss auf den Knochenstoffwechsel haben. Nach dem 70. Geburtstag ziehen die Männer aber gleich. „Es ist ein Irrtum zu glauben, Osteoporose sei reine Frauensache“, warnt Bartl. Äußerlich verändert die Osteoporose den Knochen kaum: Die Krankheit höhlt vor allem die Verstrebungen im Inneren aus. Der Knochen wird weniger belastbar und bricht schneller.

Das Programm für starke Knochen
Die Umbaumaßnahmen im Skelett lassen sich über mehrere Stellschrauben regulieren. Was jeder dafür tun kann:

„Der Knochenschwund ist so nicht nur aufzuhalten, er lässt sich häufig sogar rückgängig machen“, berichtet Prof. Reiner Bartl, Leiter des Bayerischen Osteoporose-Zentrums am Münchner Uniklinikum Großhadern. Was jeder dafür tun kann:

– Risiko einschätzen. Liegen Risikofaktoren vor, kann der Arzt eine Knochendichtemessung nach der DXA-Methode vorschlagen. Sie wird von den Kassen nur unter bestimmten Umständen bezahlt. Sonst fallen rund 40 Euro für den Check an. Er liefert einen Anhaltswert für die Stabilität der Knochen.

– Für Bewegung sorgen. Druck und Zug regen den Knochenbau an. Im Prinzip hilft jede Form von Bewegung – vor allem solche, die das Skelett belastet. In diesem Punkt ist Schwimmen weniger günstig als beispielsweise Walking: Der Auftrieb des Wassers schont zwar die Gelenke, schmälert aber den Reiz auf die Knochen. Sport ist allerdings noch in anderer Hinsicht ein probates Mittel bei Osteoporose. „Er stärkt die Muskulatur und verbessert die Koordination“, erklärt die Münchner Physiotherapeutin Martina Gewecke. „Das vermindert die Sturzgefahr – und damit auch das Risiko eines Knochenbruchs.“

– Knochenfreundlich ernähren. Kalzium ist für den Knochen das wichtigste Baumaterial. Studien zeigen, dass Ältere nur etwa die Hälfte der nötigen Tagesdosis (1200 bis 1500 Milligramm) zu sich nehmen. Viel Kalzium steckt in Milch und Milchprodukten, zum Beispiel Joghurt oder Hartkäse. Auch grünes Gemüse und viele Obstsorten sind wichtige Lieferanten des Mineralstoffs – und oft eine gute Alternative für den, der Milchzucker nicht verträgt. Beim Mineralwasser empfiehlt sich ein Kalziumgehalt von wenigstens 200 Milligramm pro Liter. Oft rät der Arzt zu einem Kombinationspräparat mit Kalzium und Vitamin D (rezeptfrei in der Apotheke). Ohne Vitamin D kann der Körper kein Kalzium in die Knochen einbauen.

– Knochenräuber ausschalten. Auch wenn die Mechanismen noch nicht geklärt sind: Wer raucht, hat ein deutlich erhöhtes Osteoporose-Risiko. „Die Knochendichte einer 70-jährigen Raucherin entspricht der einer 80-jährigen Nichtraucherin“, weiß Bartl. Ungünstig wirken sich auch Alkohol, Cola und Kaffee aus. Rat für Osteoporosekranke: pro Tag nicht mehr als zwei Tassen des Muntermachers trinken.

– Therapie nach Plan. Das Arsenal an Arzneimitteln gegen Osteoporose ist deutlich gewachsen. Am häufigsten kommen sogenannte Bisphosphonate zum Einsatz, die den Verlust der Knochensubstanz bremsen. Studien deuten darauf hin, dass es viele mit der Einnahme der Präparate nicht sehr genau nehmen. „Osteoporose tut zunächst nicht weh, da verkennt mancher wohl den Nutzen der Therapie“, mutmaßt Pientka. „Außerdem kann es bei falscher Einnahme zu Nebenwirkungen kommen.“ Regel: Bisphosphonate morgens mit reichlich Wasser einnehmen und danach eine halbe Stunde stehen oder aufrecht sitzen – sonst drohen Reizungen der Speiseröhre.

– Knochen stützen. Wirbelsäulengymnastik verbessert Beweglichkeit und Kraft der Rückenmuskulatur, aber nicht nur das: „Bei gebrochenen Wirbeln lindern die Übungen auch die Schmerzen“, sagt Gewecke. „Außerdem beugen sie dem Witwenbuckel vor.“ Kurse zur Wirbelsäulen- bzw. Rückengymnastik gibt es an Volkshochschulen, bei Sportvereinen und Selbsthilfegruppen und in der Regie von Krankenkassen. Darüber hinaus kann der Arzt gezielte Gymnastik beim Physiotherapeuten verordnen.

– Stossdämpfer einsetzen. Schutz vor Knochenbrüchen bieten Hüftprotektoren (in der Apotheke). Das sind Kunststoffschalen, die in die Unterwäsche eingelegt werden. Beim Hinfallen auf die Seite dämpfen sie die Wucht des Aufpralls. „Die Protektoren müssen auch nachts getragen werden“, betont Bartl. „Denn dann passieren die meisten Stürze.“

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