Kaugummi:
Pflegt die Zähne
13.06.2007
Der Frischmacher fördert außerdem die Konzentration, lässt Operierte früher genesen und schmeckt auch noch gut
Dass bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr nicht Oliver Kahn im deutschen Tor stand, war für viele Fußballfans erst einmal gewöhnungsbedürftig. In einem Punkt aber bot sich den Zuschauern ein vertrauter Anblick: Jens Lehmann malmte genauso ausdauernd seinen Kaugummi wie Vorgänger Kahn.
Fördert die Konzentration Dass gerade Torhüter so viel kauen, hat einen schlichten Grund: Es sorgt für einen erhöhten Speichelfluss. Dieser ist wichtig, denn durch das Spucken auf die Handschuhe hoffen die Torleute den Ball besser greifen und halten zu können.
Kaugummikauen könnte aber noch eine andere Wirkung haben: Studien belegen, dass es die Konzentration fördert. Und das ist keineswegs der einzige gesundheitliche Nutzen, den die beliebte Angewohnheit hat. Seit sich Wissenschaftler mit dem Kaugummi beschäftigen, mausert er sich zum medizinischen Multitalent. Zahnärzte empfehlen zuckerfreie Varianten zur ergänzenden Zahnpflege. Das Kauen erleichtere zudem den Druckausgleich im Ohr und helfe bei Mundtrockenheit sowie Sodbrennen.
Wissenschaftler der Universität von Northumbria in England unterzogen 75 Studenten umfangreichen Gedächtnis- und Konzentrationstests. Dazu bildeten die Teilnehmer drei gleich große Gruppen. Sie sollten während der Übungen entweder Kaugummi kauen, das Kauen nur simulieren oder die Kiefer gar nicht bewegen.
„Die Kaugummi kauenden Teilnehmer konnten sich an mehr Vokabeln erinnern und schnitten bei Tests des Arbeitsgedächtnisses besser ab“, fasst Studienautor Professor Andrew Scholey die Ergebnisse zusammen. Die Forscher erklären sich die positive Wirkung mit einer erhöhten Blutzufuhr zum Gehirn.
Lässt Operierte früher genesen Nach einer Studie mit 34 Patienten am Santa Barbara Cottage Hospital in Kalifornien kann Kaugummikauen sogar den Krankenhausaufenthalt nach einer Dickdarmoperation verkürzen. Die 17 frisch Operierten, die Kaugummi kauen durften, wurden durchschnittlich zwei Tage früher nach Hause entlassen als Mitpatienten, die nicht kauten. Die Erklärung der Wissenschaftler: Das Kauen regt die Nerven und den Darm vermutlich ebenso an wie richtiges Essen. Dies führt dazu, dass sich die Verdauung schnell normalisiert.
Pflegt die Zähne Gut untersucht ist die zahnpflegende Wirkung des Kaugummikauens. Zähne sind besonders nach zucker- und kohlenhydrathaltigem Essen gefährdet, weil es den Gehalt von Säuren in der Mundhöhle steigen lässt. Diese entziehen dem Zahnschmelz Mineralstoffe, und das Risiko für Karies wächst. Es kann zwei Stunden dauern, bis die Säuren neutralisiert sind. Weil Kaugummikauen die Speichelbildung anregt, werden sie an der Zahnoberfläche schneller weggewaschen. Außerdem unterstützt der vermehrte Speichelfluss den Einbau von Mineralstoffen in den Zahnschmelz, denn Speichel enthält unter anderem Kalzium, Phosphat und Fluorid.
Medizinische Kaugummis aus der Apotheke
Zahnpflege: Der Effekt zuckerfreier Kaugummis verstärkt sich, wenn sie Xylit enthalten. Der natürliche Zucker-Ersatzstoff hemmt das Wachstum des Bakteriums Streptococcus mutans, das Karies fördert.
Nikotinkaugummis: Sie können entwöhnungswilligen Rauchern den dauerhaften Abschied von der Zigarette erleichtern.
Reisekaugummis: Sie enthalten Dimenhydrinat, das auf das Brechzentrum wirkt. Die Kaubewegung beeinflusst zusätzlich das Gleichgewichtsorgan im Innenohr günstig. Beides hilft gegen Reiseübelkeit.
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